Nationale und Mont Lachaux, zwei renommierte Pisten mit eigenständigem Charakter
Crans-Montana stellt sich bereits auf die Ski Weltmeisterschaften 2027 ein. Für die letzte Generalprobe vor dem grossen internationalen Höhepunkt des kommenden Jahres werden nicht eine, sondern gleich zwei Pisten von den besten Geschwindigkeitsspezialisten der Welt befahren, im Rahmen von drei hochklassigen Weltcup-Rennen.
Zwei Pisten bedeuten zwei klar unterschiedliche Identitäten, jedoch mit demselben Ziel: ein anspruchsvolles und spektakuläres Spielfeld zu bieten. Erstmals seit den Finals von 1998, bei denen unter anderem die Legende Alberto Tomba seinen 50. und letzten Weltcupsieg feierte, werden die beiden Strecken des Haut-Plateaus gleichzeitig genutzt. Eine Vorstellung.
Piste Nationale
- Start: 2’514 m
- Ziel: 1’545 m
- Höhenunterschied: 969 m
- Länge: 3,8 km
- Geschätzte Abfahrtszeit: 1’55’’00
- Rennen an den Ski Weltmeisterschaften: Abfahrt Männer, Super-G Männer und Riesenslalom Männer und Frauen
Charakteristik
„Wenn ich diese Piste mit einem Wort beschreiben müsste, wäre ‚luftig‘ wohl das treffendste, vor allem wegen ihres postkartenreifen Starts“, erklärt Luc Genolet, Rennchef der Piste Nationale, mit Blick auf das Panorama. Mit einer Startkabine auf über 2’500 Metern Höhe beeindruckt die Nationale sofort. Der Blick hinunter ins Rhonetal setzt den Ton, die Abfahrt ist schnell, engagiert und lässt keinen Raum für Ungenauigkeiten. „Es ist eine sehr komplette Piste. Man muss in allen Bereichen stark sein, im Gleiten, technisch sowie in den anspruchsvolleren Passagen. Wenn man sie mit einer anderen Strecke im Weltcup vergleichen müsste, käme die Saslong in Val Gardena am ehesten in Frage, auch wenn die Nationale einzigartig bleibt.“
Schlüsselstellen
Der obere Abschnitt zwischen Bella Lui und der Cassure de Cry d’Er vereint die ersten grossen Herausforderungen. Die Linienwahl ist hier entscheidend, insbesondere in einem Gleitstück mit neuen Geländebewegungen. Der untere Teil der Wand, gefolgt von der Cabane des chasseurs und dem Plat des Houlès, erfordert höchste Präzision, um die aufgebaute Geschwindigkeit mitzunehmen, bevor es mit einem grossen Sprung am oberen Ende des Mur des Mélèzes in den Wald geht. „Diese Abfahrt hat Rhythmus. Technisch muss man extrem sauber fahren, um alle Fallen zu meistern. Ab der Wand von Cry d’Er kann man das Rennen gewinnen oder verlieren. Wer sich auf dieser Strecke wohlfühlt, wird grossen Spass haben.“
Streckenanpassungen
Im Jahr 2025 konnten die Geschwindigkeitsspezialisten die Piste Nationale erstmals seit den Weltmeisterschaften 1987 wieder auf ihrer Originaltrasse befahren. Um in diesem Winter noch mehr Spektakel zu bieten und mit Blick auf die Ski Weltmeisterschaften im kommenden Jahr wurde die Strecke bewusst anspruchsvoller gestaltet, insbesondere durch das Hervorheben einzelner Bodenwellen. „Wir haben uns entschieden, die Piste weniger zu glätten, um die natürlichen Geländebewegungen zu erhalten. Danach liegt es am Kurssetzer, die schönste Linie zu finden“, erklärt Luc Genolet.
Im obersten Abschnitt wurde das Gelände in der Traverse von Bella Lui überarbeitet, mit zusätzlichen Wellen sowie einem Sprung vor der ersten Schleppliftlinie. Auch der Abschnitt in der Cassure de Cry d’Er wurde angepasst, mit einer Linienführung näher an der Strasse, gefolgt von einem markanten Sprung im Steilhang.
Für welche Profile
Skifahrer, die grosse, schnelle Schwünge im oberen Teil mit technischer Finesse auf den Geländebewegungen und in den engeren Waldpassagen kombinieren können, sind hier klar im Vorteil. „Wer bei hohem Tempo ruhig bleibt und das Gelände gut liest, hat einen deutlichen Vorteil. Komplette Skifahrer, die auch im Super-G stark sind, werden profitieren.“ Franjo von Allmen, Marco Odermatt und Alexis Monney, die 2025 in der Abfahrt einen Dreifachsieg feierten, dürften sich darüber kaum beklagen.
Piste Mont Lachaux
- Start: 2’210 m
- Ziel: 1’545 m
- Höhenunterschied: 665 m
- Länge: 2,45 km
- Geschätzte Abfahrtszeit: 1’26’’00
- Rennen an den Ski Weltmeisterschaften: Abfahrt Frauen, Super-G Frauen, Slalom Frauen und Männer sowie Team Event
Charakteristik
„Es ist eine sehr beeindruckende Piste, die keinerlei Zugeständnisse macht“, bestätigt Pascal Philippe, Rennchef der Mont-Lachaux-Strecke. „Sie zeichnet sich durch ihre Steilpassagen, teilweise blinden Tore und markanten Geländebrüche aus. Die Skirennfahrerinnen sind während der Saison nur selten mit einem solchen Profil konfrontiert." Kein Zufall also, dass die Strecke, die 2010 komplett umgestaltet wurde, den Spitznamen „Kitzbühel der Frauen“ trägt. „Diese Abfahrt wird über das Engagement entschieden. Es gibt kaum Erholungsphasen oder reine Gleitstücke. Man braucht von oben bis unten Mut.“ Mehrfache Siegerinnen wie Lara Gut-Behrami, Sofia Goggia oder Lindsey Vonn würden dem kaum widersprechen.
Schlüsselstellen
Die Abfahrt wird über die gesamte Strecke entschieden, wobei einige Abschnitte besonders ausschlaggebend sind. Der Einstieg in den Mur de Marius, gefolgt vom Trou du Renard, verlangt ein präzises Gleichgewicht zwischen Angriff und Kontrolle. Weiter unten katapultiert die Bosse du Président die Skirennfahrerinnen mit hohem Tempo in einen Abschnitt, in dem die ideale Linie entscheidend ist, um über den flachen Teil der Traverse de Clavan Geschwindigkeit zu halten. „Auf dieser Piste kann man sehr schnell viel Zeit verlieren. Die Skirennfahrerinnen müssen sauber fahren, aber auch bereit sein, ohne Zögern anzugreifen.“ Der finale Steilhang mit dem Toboggan, gefolgt vom extrem steilen Reck de Vermala, verlangt nach mehr als einer Minute intensiver Belastung höchste körperliche Frische. „Hier heisst es nochmals alles investieren. Man muss noch Reserven haben, um den Unterschied zu machen.“
Streckenanpassungen
Seit den letzten Frauen-Speedrennen im Jahr 2024 wurden nur wenige strukturelle Änderungen vorgenommen. Ziel war es, die Identität der Piste zu bewahren. Lediglich der Start des Super-G wurde aus „vorbereitungsbedingten Gründen“ leicht verschoben, um einen flüssigeren Übergang in den Lauf zu ermöglichen. „Das Ziel ist es, die bestehenden Linien zu respektieren.“
Für welche Profile
Auf dieser Strecke sind vielseitige und mutige Skirennfahrerinnen im Vorteil. „Die Siegerin hier ist eine komplette Abfahrtsläuferin, mit Mut, Technik, Lockerheit und Gleitfähigkeit. Auch wenn es sehr engagiert ist, am Ende bleibt es eine Geschwindigkeitsdisziplin.“
Die Slalompiste
Während die Riesenslaloms der Ski Weltmeisterschaften auf der Piste Nationale ausgetragen werden, finden die Slalomrennen im finalen Steilhang der Mont Lachaux statt. „Es ist sehr steil, ohne Erholungszone“, erklärt Pascal Philippe, der den Reck de Vermala mit der Face de Bellevarde in Val d’Isère vergleicht. Die ausgeprägte Hangneigung verlangt von oben bis unten ein hohes Tempo. „Aufgrund der Steilheit werden die Abstände zwischen den Toren begrenzt sein, um das Risiko zu reduzieren. Das verspricht grosses Spektakel und sehr physische Slalomrennen.“