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19.12.2025

Crans-Montana: Wo Wasser Zukunft schafft

In den letzten Jahren hat sich die nachhaltige Wasserwirtschaft zu einem der strategischen Entwicklungsschwerpunkte von Crans-Montana entwickelt. Das lässt optimistisch in die Zukunft blicken, insbesondere im Hinblick auf die FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2027.

Aufgrund der globalen Klimaerwärmung sind Skigebiete in den Alpen zunehmend auf technischen Schnee angewiesen, sowohl für den Wintersport als auch für Wettkämpfe. Eine nachhaltige Wasserwirtschaft stellt somit eine zentrale Herausforderung für den Tourismus und den Spitzensport dar und spielt eine entscheidende Rolle in der gut etablierten regionalen Strategie von Crans-Montana. Auf dem Haut-Plateau wird diese Herausforderung daher nicht nur als solche verstanden, sondern auch als Chance für Weiterentwicklung, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Innovation und lokaler Zusammenarbeit. Das sind gute Nachrichten. 

Bergseen, eine wertvolle Ressource

Crans-Montana profitiert vom Stausee Tseuzier sowie von Seen und Teichen, die seit Jahrzehnten als Reservoirs dienen. Ihr Gesamtvolumen ermöglicht es, zusammen mit den Rückhaltebecken, jedes Jahr das Wasser aus der Schneeschmelze zu sammeln. Dieses macht einen bedeutenden Anteil der durchschnittlich 140 Millionen Kubikmeter Wasser aus, die in der Region zur Verfügung stehen. Laut dem Forschungsprojekt des Nationalfonds MontanAqua werden lediglich acht bis zehn Prozent dieser Ressource effektiv genutzt. Der Rest fliesst zurück in den Boden, in Flüsse und ins Grundwasser. Die Grundidee ist einfach: Wasser wird zu Schnee und gelangt im Frühling wieder in den Boden, wodurch ein besonders effizienter, geschlossener Wasserkreislauf entsteht.

Die Studie hebt verschiedene positive Aspekte für die Region hervor. Allerdings lag der Niederschlag im Jahr 2011, einem der trockensten Jahre seit Messbeginn, bei gerade mal 76 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Dies Zeigt, dass mit Schwankungen in der Verfügbarkeit gerechnet werden muss. Trotz der Schwankungen bleibt der Wasserbedarf in der Region verhältnismässig gering: Der Trinkwasserbedarf beträgt rund acht Millionen Kubikmeter pro Jahr, der Bedarf für die Bewässerung in der Landwirtschaft drei bis fünf Millionen Kubikmeter und der Bedarf für die Beschneiung 300’000 bis 450’000 Kubikmeter. Letzterer macht somit weniger als 0,5 Prozent der insgesamt verfügbaren Ressourcen aus. Dank dieser Mengen kann Crans-Montana optimistisch in die Zukunft blicken und gleichzeitig seine Resilienz gegenüber dem Klimawandel stärken.

Technologie im Dienst der Energie

In den letzten Jahren hat sich die künstliche Beschneiung besonders stark entwickelt und wurde intensiv erforscht. Technischer Schnee ist zweifellos einer der augenscheinlichsten Bausteine dieser modernen Bewirtschaftung. Die heutigen vollautomatischen Systeme analysieren laufend Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind, um den optimalen Zeitpunkt für die Produktion des weissen Goldes zu errechnen. Die in den Pistenfahrzeugen eingebauten GPS-Geräte messen zudem die Dicke der Schneedecke. Das hilft, Überproduktion und Mehrfachbeschneiung zu vermeiden. Die neuesten Beschneiungsanlagen sind besonders effizient: Sie benötigen 30 bis 40 Prozent weniger Wasser als ältere Modelle und verbrauchen zudem weniger Energie.

Keine drohenden Versorgungsengpässe im Winter

Ebenfalls eine tragende Rolle bei der Wasserversorgung des Haut-Plateau spielt die Lokal- und Regionalpolitik. Um eine ausgewogene Verteilung der Ressourcen sicherzustellen, müssen Gemeinden, Bergbahnen, Landwirtschaftsbetriebe, Tourismusakteure und neu auch das Organisationskomitee der Weltmeisterschaften ihre Entscheidungen eng aufeinander abstimmen. Die Fachleute von MontanAqua haben aufgezeigt, dass diese Zusammenarbeit für die Nachhaltigkeit entscheidend ist. So birgt eine fragmentierte Bewirtschaftung Konfliktpotenzial und erhöht das Risiko von Fehlentscheiden, während ein koordiniertes Vorgehen Effizienz und Transparenz deutlich verbessert.

Positiv ist, dass Crans-Montana sich verpflichtet hat, den Wasserverbrauch bei Grossveranstaltungen zu senken – dank wassersparender Sanitärinfrastrukturen, technischer Einrichtungen zur Reduzierung der Wasserverschwendung sowie einer präziseren Planung der Wassernutzung. Dieser Ansatz ist Teil einer ganzheitlichen Strategie, bei der jeder Kubikmeter zu jeder Jahreszeit zählt, auch in besonders sensiblen Phasen wie dem Spätsommer. Das ist umso wichtiger, als Trockenperioden bis 2050 voraussichtlich häufiger werden. «Tatsächlich muss die Region im Winter bei einer effizienten und zwischen den Akteuren gut koordinierten Wasserwirtschaft keinerlei Versorgungsengpässe befürchten», relativiert Mariano Bonriposi, der im Rahmen seiner Dissertation den Wasserverbrauch in der Region untersucht hat. «Deutlich kritischer kann die Lage jedoch in den Trockenperioden zwischen April und Oktober werden. »

Crans-Montana profitiert zwar von einem sehr sonnigen alpinen Klima, zählt jedoch gleichzeitig zu den trockensten Regionen der Alpen. Die Sommer sind zunehmend von langen niederschlagsfreien Phasen geprägt, was Dürreperioden häufiger macht und den Druck auf die Wasserressourcen weiter erhöht.

Weitsicht als entscheidender Faktor

Über ökologische, moralische und rechtliche Verpflichtungen hinaus ist eine nachhaltige Wasserwirtschaft auch ein Wettbewerbsvorteil. Dank seiner Reservoirs, Messsysteme und einer gut abgestimmten internen Organisation kann Crans-Montana auch in niederschlagsarmen Wintern konstante Schneeverhältnisse gewährleisten. Auch das ist aufgrund der Südlage des Skigebiets und der teils hohen Temperaturen, die selbst mitten in der normalerweise kalten Jahreszeit auftreten können, notwendig. Hinzu kommt, dass der Plaine-Morte-Gletscher jedes Jahr mehrere Meter an Dicke verliert, was den Wasserabfluss in den Kanton Bern zunehmend steigert. Das Haut-Plateau wird sich also lange vor dem für das Ende des Jahrhunderts prognostizierten vollständigen Verschwinden des Gletschers mit dieser neuen Realität befassen müssen. Angesichts dieser bedeutenden Herausforderung hat sich die Region dafür entschieden, gemeinsam und vorausschauend zu handeln, statt sich den Gegebenheiten einfach zu beugen.

Im Vorfeld der Ski-WM 2027 zeigt Crans-Montana, dass sich sportliche Höchstleistungen, technische Innovation und der Respekt vor der Natur durchaus vereinbaren lassen. Wasser gilt hier nicht als Konsumgut, sondern als wertvolle Ressource, die verstanden, geplant und geschützt werden muss. Dieser Ansatz inspiriert bereits andere alpine Destinationen und erinnert daran, dass eine nachhaltige Zukunft auf Präzision, Zusammenarbeit und Weitsicht beruht.