Crans-Montana – eine Liebesgeschichte mit dem Skirennsport
Crans-Montana ist ein fester Bestandteil der glanzvollen Geschichte des alpinen Skisports. In den vergangenen fünfzig Jahren hat das Walliser Resort über fünfzig Weltcuprennen sowie die legendären Weltmeisterschaften von 1987 ausgerichtet – ein Erbe, das von Leidenschaft, Erfolg und Tradition geprägt ist.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Crans und Montana noch zwei kleine Weiler oberhalb von Sierre – eine Hochebene mit Alpweiden, auf denen im Sommer das Vieh graste. Alles änderte sich 1911 mit der Eröffnung der Standseilbahn, die das Tal mit dem Berg verband. Dieses Jahr war ein Wendepunkt: Der Engländer Arnold Lunn organisierte das erste Abfahrtsrennen der Geschichte auf den Hängen des Hoch-Plateaus.
In den darauffolgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Skisport rasant. Erste Chalets und Hotels entstanden, und bald wurden die ersten Skiclubs gegründet. Diese organisierten Wettkämpfe auf dem Plaine-Morte-Gletscher und zogen zahlreiche Pioniere an, die auf ihren Holzskiern die Hänge hinunterfuhren. 1944 wurde die Trophée du Mont Lachaux ins Leben gerufen – ein begehrter Wettbewerb, der fast zwanzig Jahre lang stattfand.
Die ersten Schritte im Weltcup
Die 1960er- und 1970er-Jahre markierten eine entscheidende Wende: Crans und Montana schlossen sich zu einem einzigen Ort zusammen. Die Pisten von Cry d’Er, Bella Lui und Aminona wurden zu beliebten Treffpunkten für Schweizer und internationale Skifahrer. Angetrieben von visionären Einheimischen fanden 1977 die ersten Weltcuprennen statt – nur zehn Jahre nach der Gründung der neuen Weltserie.
Am 25. Januar wurde Geschichte geschrieben: Das erste Abfahrtsrennen der Damen und Herren des „Weissen Zirkus“ fand auf dem Hoch-Plateau statt. Die Österreicherin Brigitte Totschnig siegte in der Abfahrt. Eine der ersten grossen Heldinnen auf den Pisten von Crans-Montana war Marie-Therese Nadig: 1977 gewann sie die Kombination, 1981 die Abfahrt. Diese Rennen legten den Grundstein für ein grosses Abenteuer – und ebneten den Weg für die erfolgreichen Weltmeisterschaften.
Weltmeisterschaften, die Geschichte schrieben
Im Februar 1986 richtete Crans-Montana eine Generalprobe aus – ein Jahr vor dem grossen Weltereignis. Fünf Rennen standen auf dem Programm, die Vorfreude war riesig. Peter Müller, bestens vertraut mit der „Nationale“, triumphierte gleich doppelt – im Super-G und in der Kombination. Ein Jahr später, bei den Weltmeisterschaften 1987, wiederholte er das Kunststück: Sieg in der Abfahrt, vor Pirmin Zurbriggen und Karl Alpiger – ein legendärer Schweizer Dreifachsieg.
1987 bleibt im kollektiven Gedächtnis unvergesslich. Crans-Montana wurde zur Hauptstadt des Skisports. Vor zehntausenden begeisterten Zuschauern schrieb der Schweizer Skisport eines seiner schönsten Kapitel: 14 Medaillen, darunter 8 Weltmeistertitel – eine Dominanz, wie sie zuvor noch nie zu sehen war. Fast vierzig Jahre später hält dieser Rekord noch immer stand, auch wenn die Medaillenflut von Saalbach ihn beinahe übertroffen hätte.
Von der Stille zum Comeback
Auf die Euphorie folgte eine längere Ruhephase. Erst 1992 kehrte der Weltcup nach Crans-Montana zurück, 1998 fanden hier die Weltcup-Finals statt. Diese markierten das Ende einer Ära: Alberto Tomba verabschiedete sich vom Skizirkus – standesgemäss mit einem Sieg im Slalom, seinem 50. und letzten Triumph.
Danach folgte eine zehnjährige Pause, bis 2008 unter der Führung von Marius Robyr und seinem Team das Comeback gelang – zunächst im Zweijahresrhythmus, später regelmässig. Lindsey Vonn, Ikone des Skisports, gewann das erste Rennen der neuen Ära – und zwei Jahre später erneut.
2012 kehrten auch die Herren zurück, nach vierzehn Jahren Pause. Das Walliser Publikum feierte Didier Cuche auf seiner Abschiedstour. Der Neuenburger stand zweimal auf dem Podest und holte mit über 37 Jahren einen letzten grossen Sieg im Super-G – als ältester Sieger in der Geschichte des Weltcups. Ein Rekord, der bis heute Bestand hat.
Eine Klassikerin auf dem Hochplateau
Seit 2016 ist Crans-Montana eine feste Grösse im Damen-Weltcup – ein echter Klassiker im Kalender. Die anspruchsvolle und spektakuläre Mont Lachaux-Piste wurde zur Bühne grosser Triumphe von Mikaela Shiffrin, Lara Gut-Behrami, Sofia Goggia und Federica Brignone.
Unter der Leitung eines neuen Organisationskomitees kehrten 2025 auch die Herrenrennen auf das Hochplateau zurück. Dreizehn Jahre nach ihrem letzten Auftritt stürzten sich die besten Speed-Spezialisten der Welt erneut auf die legendäre „Nationale“. Die Schweizer Athleten, frisch dekoriert nach den Weltmeisterschaften in Saalbach, erfüllten alle Erwartungen: Franjo von Allmen, Marco Odermatt und Alexis Monney sorgten für einen grossartigen Schweizer Dreifachsieg in der Abfahrt – den ersten seit über dreissig Jahren. Tags darauf dominierten Odermatt und Monney den Super-G – vor einem begeisterten Publikum in einem wahren Hexenkessel.
Diese Erfolge machen Lust auf mehr – auf eine neue Ära grosser Emotionen und sportlicher Glanzleistungen. 2027 wird Crans-Montana zum zweiten Mal nach 1987 Gastgeber der Weltmeisterschaften sein – mit dem Ziel, ein über hundertjähriges alpines Erbe fortzuschreiben.