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17.01.2026

Sie glätten die Spuren der Champions - hinter den Kulissen mit Adrien Grobet

Sie fahren hinter den Athletinnen und Athleten her und sorgen für faire und konstante Bedingungen auf den Weltcup-Pisten: die Rutscher. In Crans-Montana wird vor, während und nach jedem Wettkampf nichts dem Zufall überlassen, damit jede Piste perfekt bleibt.

An diesem Samstag im Dezember gibt es auf der Piste Bella Lui einen kurzen Riesenslalom. Er dient jedoch nicht dem Training der Jugendlichen des Skiclubs Crans-Montana, die den Lauf gesteckt haben, sondern der Vorbereitung der Rutscher für die kommenden Weltcup-Rennen. Rund zwanzig von ihnen rutschen kontrolliert zwischen den roten und blauen Toren hin und her. «Wir haben eine kurze Trainingseinheit für unsere neuen Freiwilligen organisiert, damit sie die Grundlagen ihrer Arbeit erlernen und einen Vorgeschmack darauf bekommen, was sie an den Wettkämpfen erwartet», sagt Adrien Grobet, Koordinator und Verantwortlicher für die Rutscher auf der Piste Nationale.

Zwischen dem 28. Januar und dem 1. Februar wird der Genfer, der auf den Pisten von Crans-Montana quasi aufgewachsen ist, ein Team von rund 120 Rutschern leiten. Fünf Tage lang stehen sie an Trainingsläufen und Rennen im Einsatz, um die Qualität der Schneedecke auf der Piste Nationale und der Piste Mont Lachaux zu gewährleisten. Dieses Jahr finden die Wettkämpfe der Männer und Frauen teilweise gleichzeitig statt – eine grosse Herausforderung: «Mit zwei Pisten, die parallel benutzt werden, verdoppelt sich der Organisationsaufwand zwangsläufig. Deshalb beginnt unsere Arbeit sehr früh, lange vor dem ersten Rennen.»

«Ein guter Skifahrer ist nicht automatisch ein guter Rutscher»

Dieser Arbeit abseits des Rampenlichts geht eine sorgfältige Auswahl der Freiwilligen voraus. «Wir schauen genau hin, welche Erfahrung die Leute mitbringen: ob sie bereits auf Weltcup-Pisten gearbeitet haben, wie sicher sie auf den Skis stehen und wie gut sie sich anpassen können», fährt Adrien Grobet fort und ergänzt: «Ein guter Skifahrer ist nicht unbedingt ein guter Rutscher. Und umgekehrt.» 

Um eine Piste optimal zu glätten, braucht es vor allem eine saubere Rutschtechnik und die Fähigkeit, den Schnee effizient zu verschieben. Entscheidend ist jedoch ein geschultes Auge. «Diese Arbeit ist sehr visuell und erfordert hohe Konzentration. Man muss die Piste lesen können und erkennen, welche Linien bearbeitet werden müssen. Ich frage die Freiwilligen immer, wo sie selbst fahren würden, wenn sie die Athletin oder der Athlet wären», erklärt Adrien Grobet, der diesen Bereich bereits seit 2017 verantwortet. Zudem müssen die Rutscher in der Lage sein, ihre Aufgabe innerhalb eines sehr engen Zeitfensters schnell und effizient auszuführen. «Nach jeder Athletin und jedem Athleten schicken wir ein Duo los, das zügig arbeiten muss.» Denn zwischen zwei Startnummern bleibt oft kaum mehr als eine Minute Pause. «Das reicht gerade, um die Spuren an fünf bis sechs Toren zu glätten. Dann muss man sich auch schon wieder an den Pistenrand zurückziehen. Denn die Sicherheit der Rennfahrerinnen und Rennfahrer sowie der Rutscher hat oberste Priorität.»

Bis zu zehn Durchgänge pro Tag

Alles ist eine Frage der Logistik. Während der Rennen werden die Piste Nationale und die Piste Mont Lachaux jeweils in drei Sektoren unterteilt. Jede Gruppe von Rutschern bleibt einem festen Abschnitt zugewiesen, um die vier bis fünf Durchgänge während des Rennens möglichst reibungslos absolvieren zu können. Doch ihre Arbeit beschränkt sich nicht darauf, die Rennstrecke in einwandfreiem Zustand zu halten. «Das Zauberwort lautet Flexibilität», fasst Adrien Grobet zusammen. Die Tage können sehr lang sein; sie beginnen früh am Morgen und enden oft erst am späten Nachmittag. «Für die anspruchsvollsten Aufgaben vor oder nach den Rennen stellen wir gezielt Gruppen von etwa zwanzig Rutschern zusammen, häufig die erfahrensten.»  

Entscheidend sind dabei die Schneeverhältnisse, die in Crans-Montana stark variieren können. «Hat es in der Nacht geschneit, müssen wir die gefallenen Zentimeter entfernen. Ist es hingegen warm, nutzen wir die morgendliche Kälte und den harten Schnee vor dem Rennen, um die Piste optimal vorzubereiten. In solchen Fällen absolvieren einige Rutscher bereits vor dem eigentlichen Wettkampf vier oder fünf Durchgänge.»

Scharfe Kanten für guten Halt

Wer über eine vereiste Rennpiste rutscht, damit Marco Odermatt, Franjo von Allmen, Lindsey Vonn, Malorie Blanc und andere mit voller Geschwindigkeit in die Kurven liegen können, muss entsprechend ausgerüstet sein. «Wir verlangen von jedem Rutscher Pistenskis. Freestyle- oder Freeride-Skis tolerieren wir nicht. Das ist nicht nur eine Frage der Konsequenz, sondern vor allem entscheidend, um auf dem harten Schnee guten Halt zu haben.» Zu diesem Zweck können die Freiwilligen die Kanten ihrer Skis unten an der Piste jeweils kostenlos schleifen lassen. 

Ski-WM erfordert mehr Leute

Für die Ski-Weltmeisterschaften, die in den ersten beiden Februarwochen 2027 auf dem Haut-Plateau ausgetragen werden (1. bis 14. Februar 2027), reicht die heutige Anzahl Rutscher nicht aus. «Bei zwei Wettkampfwochen müssen mehrere Teams gebildet und Ruhezeiten eingehalten werden sowie schnelle Wechsel von einer Piste zur anderen möglich sein.»

Während dieses Jahr 120 Rutscher im Einsatz sind, könnte sich diese Zahl im Hinblick auf die WM verdoppeln. «Unser Ziel ist, pro Piste zwei Gruppen zu haben: eine für die Speed-Rennen und eine für die technischen Disziplinen. Eine Abfahrtspiste wird ja schliesslich anders präpariert als eine Slalomstrecke. Der Koordinationsaufwand ist zwar enorm. Aber alles, was wir dieses Jahr an unseren Weltcup-Rennen umsetzen, wird uns 2027 an der Ski-WM zugutekommen."